Reguläre Vorsorge

Von allen Krankenkassen übernommene Vorsorgeuntersuchungen und die dazu vorgesehenen Zeiträume:


U1

Direkt nach der Geburt

In den ersten 10 Lebensminuten wird überprüft, ob die Umstellungsvorgänge an den neuen Lebensraum außerhalb des Mutterleibs normal verlaufen. Atmung, Herzschlag, Hautfarbe, Reaktion und Muskelspannung werden mit den APGAR-Punkten nach (1), 5 und 10 Minuten bewertet. In der Regel werden nach 1 und 5 Minuten Werte > 7 und nach 10 Minuten von 10 erreicht. Weiterhin wird aus dem Blut der Nabelschnur der pH-Wert bestimmt, er gibt Hinweise auf die Sauerstoffversorgung des Kindes in den letzten Minuten vor der Geburt und liegt in der Regel > 7,1. Bei der körperlichen Untersuchung wird auch auf eventuelle geburtsbedingte Verletzungen geachtet.


U2

3. – 10. Lebenstag

Die zweite Untersuchung findet meist noch in der Geburtsklinik statt. Neben der genauen Untersuchung wird auch eine wichtige Blutuntersuchung auf angeborene Stoffwechselerkrankungen (z.B. Schilddrüsenunterfunktion oder Hypothyreose) durchgeführt. Mit wenigen Blutstropfen auf einer Filterpapierkarte können zahlreiche Erkrankungen untersucht werden, die meisten sind erfreulicherweise sehr selten. Der frühzeitige Ausschluss dieser Erkrankungen ist jedoch bedeutsam. Sollten Sie das Krankenhaus mit Ihrem Kind verlassen, bevor es 36 Stunden alt ist, muss diese Untersuchung am 3. Lebenstag durch einen niedergelassenen Kinderarzt oder eine Hebamme durchgeführt werden.

In den meisten Geburtskliniken wird ein Hörtest durchgeführt. Bei den sogenannten Otoakustischen Emissionen wird die Antwort der Sinneszellen im Innenohr auf einen akustischen Reiz registriert. Sollte diese Untersuchung nicht durchgeführt worden sein, wird Ihr Kinderarzt Ihnen eine Überweisung zu einem HNO-Arzt ausstellen, damit diese Untersuchung nachgeholt wird.


U3

4. – 5. Lebenswoche

Bei dieser Untersuchung wird besonders auf das Gedeihen des Kindes geachtet. Säuglinge in diesem Alter nehmen in der Regel 100 – 200 Gramm pro Woche zu und trinken ca. 1/6 ihres Körpergewichts. Im gemeinsamen Gespräch werden Trinken und generelles Verhalten angesprochen, wertvoll sind stets Ihre eigenen Beobachtungen. Es wird eine schmerzlose Ultraschalluntersuchung der Hüftgelenke durchgeführt, um frühzeitig eventuelle Hüftfehlbildungen zu erkennen. In unserer Praxis erhalten Sie eine umfangreiche Information zum Thema Impfen, womit empfehlungsgemäß ab dem 3. Lebensmonat begonnen werden sollte.


U4

3. – 4. Lebensmonat

Laufend entwickelt Ihr Kind neue Fähigkeiten, es wird auch mitteilsamer. Neben regelmäßigem Lächeln äußert Ihr Kind hörbar sein Wohlgefallen. Der Kinderarzt überprüft weiterhin beispielsweise wie gut in Bauchlage der Kopf gehoben wird, ob Ihr Kind schon mit seinen Händchen spielt und Ihnen hinterher blickt. Im Rahmen dieser Vorsorgeuntersuchung sollte auch geimpft werden.


U5

5. – 7. Lebensmonat

Ihr Kind interessiert sich zunehmend für seine Umwelt, es ergreift gezielt Gegenstände, nimmt sie in den Mund, teilweise wird auch betrachtet und hantiert. Es werden zunehmend Laute gebildet - wenn nicht, ist dies ein dringender Grund, das Hörvermögen eingehender zu untersuchen. Viele Kinder sitzen in diesem Alter abgestützt und drehen sich vom Bauch auf den Rücken oder umgekehrt. Meist wird diese Untersuchung beim Kinderarzt noch gut akzeptiert, das Fremdeln „erschwert“ erst in 1-2 Monaten seine Arbeit.


U6

10. – 12. Lebensmonat

Die Eroberung der Welt wird nun zunehmend auf zwei Beinen fortgesetzt, die meisten Kinder ziehen sich hoch und viele laufen mit Unterstützung. Seit einiger Zeit bemerkt Ihr Kind wenn vertraute Dinge oder Personen nicht da sind. Trennungsangst ist eine Folge davon. In der Untersuchung werden versteckte Gegenstände wiedergefunden, gezieltes Greifen mit Zeigefinger und Daumen ist möglich. Gesten wie Winken und Haushaltstätigkeiten werden nachgeahmt. Viele Kinder sprechen erste Worte. Ab 11 Monaten werden die Impfungen fortgesetzt.


U7

20. – 24. Lebensmonat

Treppauf und –ab geht es jetzt teilweise schon ohne Festhalten, Zweiwortsätze werden gebildet, das Spiegelbild wird erkannt. Ihr Kind kann problemlos selbständig mit dem Löffel essen und aus einem Glas trinken. Die Selbstentdeckung führt allerdings auch zur normalen ersten trotzigen Abgrenzung: Nein! Bei der Untersuchung wird Ihr Kind spielerisch aufgefordert z.B. einen Turm aus 5 Klötzchen zu bauen, Gegenstände zu benennen, Körperteile zu zeigen oder eine Puppe zu füttern.


U7a

34. - 36. Lebensmonat

Die U7a wird seit 01.07.2008 von allen Krankenkassen übernommen. Bei dieser Untersuchung liegt der Schwerpunkt auf der Aufdeckung von allergischen Erkrankungen, Übergewicht, Sprachentwicklungsstörungen, Störungen des Sozialverhaltens und Fehlbildungen des Zahn-, Mund- und Kieferbereichs.


U8

44. – 48. Lebensmonat

Ihr Kind wird zunehmend selbständiger und beginnt, interaktiv mit anderen Kindern zu spielen. Trennungsängste werden weniger, die Kontrolle der eigenen Gefühle besser. Bei dieser Untersuchung werden neben körperlichen Fähigkeiten wie u.a. Balancieren, Einbeinstand und Formen nachmalen vor allem auch sprachliche Fähigkeiten überprüft. Ein vierjähriges Kind spricht in der Regel seine Muttersprache grammatikalisch korrekt und verständlich, einige Konsonanten könne noch fehlen, beim ‚S’-Laut können noch Schwierigkeiten bestehen. Das Hörvermögen wird apparativ überprüft, verschiedene Sehtests durchgeführt.


U9

60. – 64. Lebensmonat

Beziehungen außerhalb der Familie gewinnen für Ihr Kind zunehmend an Bedeutung. Das Verhalten wird weniger Ich-zentriert, mit Spielkameraden wird mehr um Rollenverfehlung als Gegenstände gestritten. Ihr Kind sollte sich schon länger auf eine Aufgabe konzentrieren können. Neben der körperlichen Untersuchung werden Sprache und Sehen erneut eingehend untersucht. Auch kognitive, soziale und emotionale Fähigkeiten werden beurteilt. Im Rahmen dieser Vorsorgeuntersuchung steht oft die erste Auffrischimpfung an.


J1

13. – 15. Lebensjahr

Diese letzte, sehr wichtige, reguläre Vorsorgeuntersuchung findet zwischen 12 und 14 Jahren statt. Es ist eine Rundum-Untersuchung der körperlichen und seelischen Gesundheit. Neben der genauen körperlichen Untersuchung wird ein EKG, eine Blutdruckmessung, eine Lungenfunktionsprüfung, Urinuntersuchung und ein Sehtest durchgeführt. In der Pubertät geschehen körperliche und geistige Veränderungen, die häufig als verunsichernd oder unangenehm empfunden werden. Ein abschließendes Gespräch wird zunächst mit Jugendlichen und Eltern zusammen, dann aber auch immer mit dem/der Jugendlichen allein geführt. Dabei werden Themen wie Sexualität und Verhütung, Drogenmissbrauch und Rauchen, sowie Familie und soziales Umfeld angesprochen. Falls noch nicht erfolgt, wird die zweite Auffrischimpfung durchgeführt. Bei Mädchen sollte die Impfung gegen Humane Papilloma Viren (HPV) geimpft werden.


Seite zuletzt aktualisiert am 23.10.2015


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